Frauen in der Gebäudetechnik
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Petra Dübendorfer (BSc HLKS), Gebäudetechnikplanerin bei PB Ingenieure für Energie- und Gebäudetechnik. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

09.04.2026
Interview: Daniela Hochradl / PW

Porträt Petra Dübendorfer, HLKS-Planerin

Abwechslung statt Routine, komplexe Grossanlagen statt Standardlösungen – und Hunde als Ausgleich zum Projektalltag: Petra Dübendorfer plant und koordiniert HLKS-Anlagen von der Machbarkeitsstudie bis zur Betriebsoptimierung. Im Gespräch gibt sie Einblick in ihren Projektalltag und spricht darüber, was sie an der Gebäudetechnik bis heute begeistert.

Frau Dübendorfer, Sie betreuen parallel eine ganze Reihe von Projekten. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag konkret aus?

Petra Dübendorfer: Im Schnitt betreue ich rund sieben Projekte und unterstütze in fünf weiteren mit. Das reicht von der SIA-Phase Machbarkeitsstudien bis hin zur Betriebsoptimierung. Mittlere Projekte bearbeite ich vollständig im Bereich HLKS, bei Grossanlagen bin ich häufig schwerpunktmässig für die Lüftung zuständig. Zusätzlich unterstütze ich Mitarbeiter in der Lüftungstechnik und prüfe definitive Pläne.  

Petra Dübendorfer (BSc HLKS), Gebäudetechnikplanerin bei PB Ingenieure für Energie- und Gebäudetechnik. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Petra Dübendorfer (BSc HLKS), Gebäudetechnikplanerin bei PB Ingenieure für Energie- und Gebäudetechnik. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Projektarbeit im Büro: Planung, Koordination und Detailarbeit gehören zum Alltag in der Gebäudetechnik. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Projektarbeit im Büro: Planung, Koordination und Detailarbeit gehören zum Alltag in der Gebäudetechnik. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Vor Ort bei der Produktion Seiler Käserei AG in Giswil: Kontrolle der Ausführung und Abstimmung mit den beteiligten Gewerken. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Vor Ort bei der Produktion Seiler Käserei AG in Giswil: Kontrolle der Ausführung und Abstimmung mit den beteiligten Gewerken. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Ausgleich zum Berufsalltag: Beim Agility-Training findet Petra Konzentration, Bewegung und Abstand vom Projektgeschäft. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Ausgleich zum Berufsalltag: Beim Agility-Training findet Petra Konzentration, Bewegung und Abstand vom Projektgeschäft. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Firmensitz der PB Ingenieure für Energie- und Gebäudetechnik in Sarnen OW. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Firmensitz der PB Ingenieure für Energie- und Gebäudetechnik in Sarnen OW. (Bilder: Janmaat Fotografie, zVg)

Schon während Ihrer Lehre wurden Sie früh in Verantwortung eingebunden.

Ja, mein Ausbildner hat mich sehr früh auf die Baustelle und an Sitzungen mitgenommen. Mit der Zeit wurde ich immer selbstständiger und habe bereits während der Lehre eigenständig an Sitzungen teilgenommen. Diese frühe Praxis hat mir sehr geholfen, Sicherheit zu gewinnen und Zusammenhänge besser zu verstehen.

 

Wie ist Ihre Arbeit heute organisiert?

Ich bin regelmässig unterwegs, mindestens einen Tag pro Woche extern auf Baustellen oder bei Sitzungen, dazu kommt ein halber bis ein ganzer Tag Homeoffice. In der Projektleitung ist ein reduziertes Pensum grundsätzlich anspruchsvoll, da viele Termine fix sind und sich Projektarbeit nur begrenzt verdichten lässt. Für mich persönlich ist das aktuell kein Thema. Fachlich können wir uns intern jederzeit austauschen und leben eine offene Kommunikation, was sehr wertvoll ist.

 

Ihr Weg in die Gebäudetechnik war ursprünglich nicht geplant. Wie kam es dazu?

Eigentlich suchte ich eine Lehrstelle mit Schwerpunkt Grafik und Design. Über eine Empfehlung wurde mir geraten, bei PB Ingenieure eine Schnupperlehre zu machen. Die Arbeit hat mir sofort gefallen, das Team hat gepasst, und so habe ich mich für die Lehre entschieden. Es war keine strategische Entscheidung, sondern eher ein Bauchgefühl – aber eines, das sich bis heute bewährt hat.

 

Was hat Sie während der Ausbildung besonders begeistert?

Ganz klar die Abwechslung. Ich war an Wohnüberbauungen in Holzkonstruktion beteiligt, ebenso an Wellnessanlagen und an technisch anspruchsvollen Spezialbauten wie Indoor-Schiessanlagen. Diese Vielfalt zeigt sehr gut, wie breit das Berufsfeld ist. Kein Projekt gleicht dem anderen, und genau das macht für mich den Reiz aus.

 

Diese Vielfalt prägt auch Ihre heutige Arbeit.

Ja, jedes Gebäude hat seinen eigenen Charakter oder bekommt ihn durch die Planung. Ziel ist es, energetisch optimierte Lösungen zu entwickeln, klare Strukturen in der Verteilung zu schaffen und im Planungsteam effizient zusammenzuarbeiten. Besonders gerne arbeite ich an Grossanlagen und Produktionsgebäuden, etwa in der Lebensmittelverarbeitung. Dort greifen Technik, Betrieb und Prozesse unmittelbar ineinander, was planerisch sehr anspruchsvoll ist.

 

Sie arbeiten an unterschiedlichen Gebäudetypen. Wo liegt aktuell Ihr Schwerpunkt, und welche Projekte machen Ihnen besonders Freude?

Ich arbeite meist an einer guten Mischung aus Produktionsgebäuden, Wohnbauten und Bürogebäuden. In diesem Jahr sind es etwas weniger Büroprojekte. Besonders spannend finde ich Projekte, bei denen nicht alles Standard ist und man planerisch gefordert wird. Es macht Freude, gemeinsam im Planungsteam Lösungen zu entwickeln, bei denen man wirklich «hirnen» muss. Eine gute persönliche Zusammenarbeit und klare Kommunikation im Team spielen dabei eine grosse Rolle.

 

Wo sehen Sie typische Fehlerquellen bei komplexen Grossanlagen?

Gerade bei Produktionsgebäuden oder Sanierungen wird die Wirkung von Prozessen auf die Gebäudetechnik oft unterschätzt. Ein klassisches Beispiel sind Chemikalien oder spezielle Reinigungsmittel. Fettlösende Mittel wie Aceton oder aggressive Prozessreinigungen können mit Metallen reagieren und zu starken Korrosionsschäden führen. Wichtig ist hier eine sehr sorgfältige Materialwahl, beispielsweise der Einsatz von Kunststoffrohren, sowie eine klare Trennung der Abluftführung. Solche Abluft darf nicht zurück ins Lüftungsgerät geführt werden, sondern muss separat über Dach abgeführt werden.

 

Die Gebäudetechnik steht aktuell unter grossem Veränderungsdruck. Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen?

Die Energiewende, immer mehr Normen und ein hoher administrativer Aufwand prägen den Alltag. Gleichzeitig wird der Kostendruck grösser. Gute, einfache Lösungen brauchen oft mehr Planung, werden aber nicht immer entsprechend entschädigt. In Produktionsgebäuden ist das Verständnis dafür meist grösser, bei Wohn- oder Bürogebäuden wird es schwieriger. Ob private Bauherrschaften oder grosse Unternehmen beteiligt sind, macht ebenfalls einen Unterschied. Insgesamt ist das ein strukturelles Thema, das langfristig Auswirkungen auf Qualität sowie Nachhaltigkeit hat und wie wirtschaftlich attraktiv das Projekt ist.

 

Hinzu kommen unterschiedliche Vertragsmodelle.

Ja, bei Gesamtplanerverträgen mit Architekturbüros gibt es oft ein gemeinsames Kostendach für alle Disziplinen. Bei Umbauten kann ich Honorare teilweise selbst verhandeln, bei Neubauten liegt das bei der Geschäftsleitung.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die in dieses Berufsfeld einsteigen möchten?

Ich empfehle klar eine Lehre, etwa als Gebäudetechnikplanerin in den Bereichen Heizung, Lüftung oder Sanitär oder als Installateurin in einem dieser Gewerke. Auch als zweite Lehre ist das ein sehr guter Einstieg. Erst die Materie wirklich zu verstehen und praktisch zu begreifen, bevor man studiert, halte ich für entscheidend.

 

Ihr Arbeitsumfeld ist nach wie vor stark männerdominiert. Wie erleben Sie das persönlich?

Rollenbilder sind noch immer stark verankert – im Umfeld, in den Medien und im allgemeinen Berufsverständnis. Viele wissen gar nicht, dass hinter Installationen eine detaillierte Planung steckt. Auf Baustellen werden Frauen oft zunächst unterschätzt und müssen sich beweisen. Ist das einmal gelungen, haben sie häufig mehr Freiraum als Männer in vergleichbaren Positionen. In Anwesenheit einer Frau verlaufen Sitzungen zudem oft etwas ruhiger, besonders wenn Diskussionen hitziger werden.

 

Neben dem Beruf spielt der Hundesport eine zentrale Rolle in Ihrem Leben.

Meine Hunde sind mein Ausgleich. Ich bin diplomierte Tier-Shiatsu-Therapeutin, im Agility aktiv, insbesondere beim «ASM Agility Sport Mahima» in Ennetmoos NW, und absolviere derzeit die Ausbildung zur Leiterin «Jugend & Hund». Das hilft mir, den Kopf freizubekommen und schult ganz nebenbei Geduld und Menschenkenntnis.

 

Rückblickend: Was hätten Sie zu Beginn Ihrer Karriere gerne schon gewusst?

Mir war zu Beginn nicht bewusst, dass mir die Lehre leichtfallen würde. Anfangs war ich unsicher, ob ich den Anforderungen dieses sogenannten «Männerberufs» gerecht werde, obwohl meine Schulnoten gut waren, auch in Mathematik und Physik. Mit diesem Wissen hätte ich mich direkt für die Berufsmaturität entschieden. Stattdessen führte mein Weg über ein berufsbegleitendes Zulassungsstudium an die HSLU, das anspruchsvoll war, aber gut funktioniert hat.

Mit zunehmender Berufserfahrung wurde mir ausserdem bewusst, wie wichtig Menschenkenntnis in Projekten ist. Sie entwickelt sich im Arbeitsalltag, wenn man Verantwortung übernimmt, mit unterschiedlichen Akteuren zusammenarbeitet und erlebt, wer auch in anspruchsvollen Situationen lösungsorientiert bleibt.

 

Und wie blicken Sie nach vorne?

Ich möchte nie aufhören zu lernen, neue Blickwinkel durch Weiterbildungen gewinnen und an Projekten arbeiten, die mich fordern. Problemstellungen, an denen man zunächst verzweifelt, gehören für mich genauso dazu wie das Um-die-Ecke-Denken bei der Lösungsfindung. Ein persönlicher Wunsch wäre zudem ein Arbeitsumfeld, in dem mich mein nächster Junghund im Alltag begleiten darf – aktuell ist das nur im Homeoffice möglich.

 


Firmenprofil PB Ingenieure

Die PB Ingenieure für Energie- und Gebäudetechnik mit Sitz in Sarnen OW sind auf die Planung und Projektierung von Energie- und Gebäudetechnik spezialisiert. Das Leistungsspektrum umfasst die ganzheitliche Planung von Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Sanitäranlagen mit besonderem Fokus auf energetisch effiziente, nachhaltige und praxisnahe Lösungen.
Neben dem Hauptsitz in der Schweiz betreibt das Unternehmen mit der IPB Ingenieurgesellschaft für Energie- und Gebäudetechnik mbH eine Tochtergesellschaft in Frankfurt am Main (D). Beide Standorte arbeiten eng zusammen und nutzen gemeinsame Synergien bei der Bearbeitung von Projekten in der Schweiz und in Deutschland.
PB Ingenieure engagieren sich zudem aktiv in der Ausbildung von Lernenden, Studierenden sowie Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern und begleiten diese vom Einstieg in die Gebäudetechnik bis hin zur Projektverantwortung.

ing-berchtold.ch


 


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